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Christian Steiger

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Auf ein besseres 2023? Die Hoffnung bei den kleinen Unternehmen ist gering

Montag, 9. Januar 2023 auf LinkedIn veröffentlicht

Die Auswirkungen des Krisenjahres 2022 dürften wir alle deutlich gespürt haben, nicht nur im eigenen Geldbeutel, sondern auch in den Städten und Gemeinden: Alteingesessene Betriebe machen genauso die Türen endgültig zu wie auch neue Geschäfte - Bäckereien, Friseure, Restaurants und viele mehr. Im letzten Jahr sind viele berufliche Träume zerplatzt.

Das ist nicht nur ein subjektiver Eindruck, sondern zeigt sich auch an den harten Zahlen. Laut einer Analyse der Wirtschaftsauskunft Creditreform nehmen etwa die Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr wieder zu. Besonders betroffen sind dabei Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden. Sie machen über 85 Prozent der Insolvenzen hierzulande aus. Die schwierige Wirtschaftslage und oft mangelhafte Unterstützung macht sich besonders bei ihnen bemerkbar. Es fehlen Planungssicherheit, Ressourcen und immer öfter die Energie, um weiterzumachen.

Existenzielle Ängste in über einer Million Unternehmen

Das zeigt sich auch in einer Umfrage*, die wir im Dezember durchgeführt haben: Nur ein Drittel der Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmer:innen (35 Prozent) blickt zuversichtlich auf seine unternehmerische Zukunft in diesem Jahr. Unter allen Befragten sieht es mit 36 Prozent ähnlich düster aus, was zudem einem Minus von elf Prozent im Vergleich zum August entspricht, als wir diese Frage schon einmal stellten (hier geht es zu den Ergebnissen der Augustbefragung).

Damit wird deutlich: All die Entlastungspakete, Soforthilfen und selbst die letzten Maßnahmen der Bundesregierung, die explizit auch kleine und mittlere Unternehmen unterstützen sollen, können viele Sorgen nicht mindern. Und das betrifft vor allem die Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmer:innen, von denen ein Viertel (26 Prozent) von Existenzängsten berichtet. Diese Zahl klingt zunächst abstrakt. Wenn man aber bedenkt, dass diese Gruppe fast vier Millionen Unternehmen umfasst, sprechen wir auf einmal von rund einer Million Unternehmen, die womöglich dieses Jahr nicht überstehen werden.

Im Vergleich zum August ist dieser Wert sogar noch einmal um zwei Prozentpunkte gestiegen, während er etwa bei den Kleinunternehmer:innen im selben Zeitraum ein Stück weit gesunken ist und jetzt bei 18 Prozent liegt. Aber auch das ist immer noch jeder Fünfte.

In der Zwickmühle: Preise erhöhen, Kundschaft verlieren

Und wir müssen leider festhalten, dass die Betroffenen nur wenige Möglichkeiten haben, etwas an ihrer Situation zu verbessern. Dafür wirken externe Faktoren derzeit einfach zu stark, auch wenn das Sinken der Inflationsrate nach dem Rekordjahr 2022 für die kommenden Monate zumindest auf etwas Erleichterung hoffen lässt. Aber sicher ist auch das nicht, und die wirtschaftliche Unsicherheit, weiterhin hohe Energiekosten trotz Strom- und Gaspreisbremsen sowie teure Materialien (67 Prozent aller Befragten berichten von Preissteigerungen) sorgen dafür, dass das Geschäft für viele schwierig ist und bleiben wird.

Denn das beschworene Energiesparen ist natürlich nur zu einem gewissen Grad möglich. Wir können die Heizung herunterdrehen, aber bei 15 Grad Raumtemperatur lässt es sich nicht nur in Branchen wie dem Friseurhandwerk nicht wirklich gut arbeiten. Die Kosten an die Kunden weitergeben ist eine weitere Möglichkeit, mit der Situation umzugehen, die bislang 61 Prozent der Befragten gewählt haben.

Ob das Brot für fünf oder der Döner für zehn Euro – Beispiele für die Preissteigerungen haben wir in den letzten Monaten sicherlich alle erlebt. Die Frage dabei immer: Können und wollen die Kund:innen diesen Schritt mitgehen? Oder suchen sie preisgünstigere Alternativen oder üben sich gleich ganz in Verzicht? Immerhin jeder Dritte (31 Prozent) hat bereits Kundschaft aufgrund von Preissteigerungen verloren. Dazu kommt, dass Kund:innen auch vermehrt Aufträge streichen, weil sie Geld sparen müssen. Mehr als jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) ist hiervon betroffen.

Was nun?

Wie umgehen mit der Situation? Das ist sicherlich die große Frage, die sich Solo-Selbstständige, Kleinst- und Kleinunternehmer:innen aktuell täglich stellen. Und es gibt keine einfache, allgemeingültige Antwort darauf, zu unterschiedlich sind die individuellen Voraussetzungen, Produkte und zur Verfügung stehenden Ressourcen. Aber die Politik sollte alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um ein mögliches Massensterben der KKUs zu verhindern. Das gilt genauso für uns als Gesellschaft. Wenn wir können, sollten wir weiterhin Brötchen beim Bäcker statt im Supermarkt und Bücher in der Buchhandlung statt dem Onlinehändler kaufen und auch die Restaurantbesuche nicht aufgeben. Damit tun wir Selbstständigen und auch uns selbst etwas Gutes.


* Methodik

Lexware hat im Zeitraum vom 01. bis zum 05. Dezember 2022 1.505 seiner Kund:innen per Online-Fragebogen zu den Belastungen und Folgen der Energiekrise befragt.

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