Sorgen bis hin zu Existenzängsten – düstere Zukunftsaussichten für Selbstständige
Dienstag, 13. September 2022 auf LinkedIn veröffentlicht
65 Milliarden Euro – so groß ist das Volumen des dritten, mit Spannung erwarteten Entlastungspakets der Bundesregierung. Angesichts der drohenden Energiekrise und möglicher Folgen für Privatpersonen und Unternehmen ist diese Größe sicherlich angemessen. Aber aus Sicht der Selbstständigen und KMUs in Deutschland ist auch das dritte Paket wieder eine ziemliche Enttäuschung.
Es fehlen erneut konkrete Maßnahmen, die all diejenigen entlasten sollen, die maßgeblich dazu beitragen, unser Land am Laufen zu halten. So wie bereits im ersten und zweiten Entlastungspaket. Natürlich kommt ihnen zugute, wenn die kalte Progression abgebaut wird. Und die „Strompreisbremse“ ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber ohne handfeste Pläne für ihre Umsetzung können sich kleine und mittlere Unternehmen nicht auf solche Hilfen verlassen.
Angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit und den letzten Wochen sollte es niemanden wundern, dass Solo-Selbstständige, Kleinst- und Kleinunternehmer:innen sich kürzlich in einer Lexware-Umfrage mit 2.784 Teilnehmer:innen mehrheitlich vom Staat enttäuscht zeigten. Ganze 71 Prozent, also nahezu drei Viertel, haben in der Umfrage die bisherige Unterstützung als unzureichend bewertet, für 43 Prozent ist sie sogar sehr schlecht.
Von einer Krise in die nächste – unverschuldet, aber mit weitreichenden Konsequenzen
Dabei sind die Sorgen und Nöte von Solo-Selbstständigen, Kleinst- und Kleinunternehmer:innen aktuell sehr groß und bessere Unterstützung dringend notwendig, das wurde ebenfalls mehr als deutlich. Demnach blickt jeder Zweite (45 Prozent) den kommenden Monaten besorgt entgegen und jeder Vierte (23 Prozent) fürchtet sogar um seine Existenz. Und das sind nicht nur die energieintensiv arbeitenden Bäcker:innen, von denen derzeit in den Medien viel die Rede ist, sondern Solo-Selbstständige und KKUs aus allen Branchen. Bei steigenden Energiekosten werden viele von ihnen ihre Rechnungen womöglich nicht mehr zahlen können.
Schon jetzt glauben nur zwei von fünf Befragten (40 Prozent), dass ihr Geschäft während der Energiekrise ihre laufenden Betriebskosten und ihren Lebensunterhalt decken wird. Diese Zahl sollte uns zu denken geben!
Millionen Selbstständigen und Kleinunternehmer:innen drohen massive finanzielle Schwierigkeiten – und das nicht etwa selbst verschuldet, sondern aufgrund äußerer Umstände. Dazu kommt, dass bei vielen die Reserven in den letzten Jahren durch die Coronakrise zusammengeschmolzen sind. Denn auch hier hat die Bundesregierung die Bedürfnisse dieser Gruppe weitgehend ignoriert und dann Maßnahmen umgesetzt, die an der tatsächlichen Lebens- und Arbeitsrealität (Stichwort: Soforthilfen für Betriebs-, aber nicht Lebenshaltungskosten) vieler Selbstständigen und KKUs vorbeigingen. Infolge wurde häufig auf Rücklagen zurückgegriffen, die bei mehr als jedem Zehnten (12 Prozent) bis heute nicht oder nur kaum aufgefüllt sind.
Alleine werden es viele nicht schaffen
Selbstständige haben in der drohenden Krise aber einen ganz großes Asset: Sie sind es gewohnt, selbst anzupacken und Lösungen eigenverantwortlich zu finden. Eine solche Einfach-machen-Mentalität hilft dabei, auch in Krisen nicht zu verzagen, sondern offensiv anzugehen. Die Ärmel hochkrempeln und anpacken ist hier Credo. Das lässt sich dieses Mal wieder mit Zahlen belegen, so hat sich die Mehrheit der Befragten bereits aktiv damit beschäftigt, wie sie Energie einsparen kann. Die Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmer:innen sind hier sogar schon ein gutes Stück weiter als die Kleinunternehmer:innen: Die Hälfte von ihnen (47 Prozent) hat bereits entsprechende Schritte eingeleitet, unter den Kleinunternehmer:innen sind es 38 Prozent. In beiden Gruppen haben sich zudem jeweils knapp ein Drittel (Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen: 29 Prozent, Kleinunternehmen: 31 Prozent) Gedanken zu möglichen Maßnahmen gemacht.
Doch sind wir ehrlich, es wird wahrscheinlich für viele nicht reichen, nur die Heizung runterzudrehen und Elektrogeräte vom Strom zu nehmen. Wenn die Energiekosten weiter steigen, werden Solo-Selbstständige und KKUs diese früher oder später an ihre Kundschaft weitergeben müssen, Mitarbeitende entlassen und Investitionen aufschieben. Die langfristigen Folgen für diese hart arbeitenden Unternehmer:innen, die ihre beruflichen Träume verfolgen, und unsere Wirtschaft insgesamt können wir heute noch nicht genau absehen, aber die Aussicht ist alles andere als rosig.
Deshalb brauchen wir endlich gezielte Unterstützung – und das nicht irgendwann im Rahmen des nächsten Entlastungspakets, sondern so bald wie möglich! Wie wir diese Hilfen nennen, ist egal, Hauptsache sie entfaltet tatsächlich Wirkung und helfen dabei, das (berufliche) Überleben von Millionen Solo-Selbstständigen, Kleinst- und Kleinunternehmer:innen zu sichern.